Katzenkolonien und das CER-Verfahren: helfen, ohne zu adoptieren

Was eine betreute Katzenkolonie ist, wie das CER-Verfahren (TNR) funktioniert und wie du Straßenkatzen in Benidorm hilfst, ohne eine Katze zu adoptieren.

Katzenkolonien und das CER-Verfahren: helfen, ohne zu adoptieren

Wenn du in Benidorm oder irgendwo in der Marina Baixa lebst, kennst du bestimmt so eine Ecke, an der immer Katzen sitzen: hinter einer Bar, auf dem Parkplatz einer urbanización (Wohnanlage), neben den Müllcontainern. Die Leute sagen „die Straßenkatzen“, aber viele von ihnen gehören zu etwas, das einen Namen und eine Methode hat: zu einer Katzenkolonie. Bei Cat's Club Benidorm werden wir oft gefragt, wie man diesen Katzen helfen kann, wenn Adoptieren nicht geht oder nicht in Frage kommt. Wir lieben diese Frage, denn man kann eine ganze Menge tun, ohne eine Katze mit nach Hause zu nehmen.

Eins vorweg, und das wissen wir aus Erfahrung: Nicht jede Katze, die draußen lebt, braucht ein Zuhause. Manche sind scheu, auf der Straße geboren, und werden einem Menschen nie ganz vertrauen. Für sie ist der beste Platz keine Wohnung, sondern ihre eigene, gut betreute Kolonie. Und genau dafür gibt es das CER-Verfahren (captura, esterilización, retorno – einfangen, kastrieren, zurückbringen), das viele auch heute noch CES nennen und das auf Englisch TNR heißt.

Was eine betreute Katzenkolonie ist

Eine Kolonie ist eine Gruppe von Katzen, die an derselben Stelle lebt und dort gefüttert wird. Zwischen einer sich selbst überlassenen Kolonie und einer betreuten liegen Welten. Hinter einer betreuten Kolonie stehen Menschen, wir nennen sie Futterstellenbetreuerinnen: Sie bringen zu festen Zeiten Futter und sauberes Wasser, räumen die Reste weg, damit keine Ratten angelockt werden und sich die Nachbarn nicht gestört fühlen, behalten die Gesundheit der Katzen im Blick und sorgen dafür, dass nicht endlos neue Würfe nachkommen.

Ohne Betreuung werden aus einem Katzenpaar in ein paar Jahren Dutzende. Mit Betreuung beruhigt sich die Kolonie. Die Katzen sind gesund, das Geschrei rolliger Kater um drei Uhr nachts hört auf, die ständigen Kämpfe werden weniger, und das Zusammenleben mit den Nachbarn wird deutlich entspannter. Das ist keine Zauberei. Das ist Arbeit und Beharrlichkeit von Leuten, die das meistens in ihrer Freizeit und aus eigener Tasche machen.

CER: Einfangen, Kastrieren, Zurückbringen

CER steht für captura, esterilización, retorno, also Einfangen, Kastration und Zurückbringen. So heißt es im Gesetz, auch wenn viele weiterhin CES sagen. Auf Englisch heißt genau dasselbe TNR (trap, neuter, return). Das Vorgehen ist einfach: Die Katzen der Kolonie werden mit sicheren Lebendfallen eingefangen, eine Tierärztin kastriert und untersucht sie, sie bekommen einen kleinen V-förmigen Schnitt in die Ohrspitze, damit man auf den ersten Blick sieht, dass sie schon operiert sind, und danach werden sie genau dorthin zurückgebracht, wo sie herkamen.

Dieser letzte Teil ist der entscheidende. Die Katze kommt zurück in ihre Kolonie, in ihr altes Revier, aber sie vermehrt sich nicht mehr. Mit der Zeit hört die Kolonie auf zu wachsen und wird nach und nach ganz von allein kleiner. Es ist die einzige Methode, die auf lange Sicht wirklich funktioniert, und sie ist tierschutzgerecht. Niemand tötet gesunde Katzen, und niemand setzt sie irgendwo anders aus.

Die Markierung am Ohr erschreckt viele im ersten Moment. Sie tut nicht weh, sie wird gemacht, während die Katze für die Operation ohnehin in Narkose liegt, und sie erspart dem Tier, immer wieder in derselben Falle zu landen. Wenn du also eine Straßenkatze mit einer sauber gekappten Ohrspitze siehst, weißt du Bescheid: Diese Katze ist kastriert, und jemand kümmert sich um sie.

Katzenkolonien und das CER-Verfahren: helfen, ohne zu adoptieren

Das CER-Verfahren ist gesetzlich anerkannt

Das ist wichtig, und viele wissen es immer noch nicht. Die Ley 7/2023, das spanische Tierschutzgesetz, seit dem 29. September 2023 in Kraft, erkennt das CER-Verfahren als das offizielle und tierschutzgerechte System zur Betreuung von Katzenkolonien an. Das Gesetz stellt klar, dass die Betreuung der Kolonien Sache der Gemeinden ist, in der Regel zusammen mit Vereinen und Freiwilligen, und dass es darum geht, die Population zu regulieren, ohne gesunde Tiere zu töten.

Anders gesagt: Eine Kolonie zu betreuen und mit dem CER-Verfahren zu kastrieren ist das Richtige, und es ist genau das, was das Gesetz vorsieht. Wenn du bei dir im Ort eine Kolonie füttern oder betreuen willst, wende dich am besten an dein ayuntamiento (das Rathaus) oder an einen örtlichen Verein, damit alles abgestimmt und im gesetzlichen Rahmen läuft.

Warum man die Katzen nicht umsiedeln darf

Es gibt eine sehr verbreitete Versuchung, gerade in urbanizaciones, in denen sich jemand beschwert: die Katzen „wegschaffen“ und draußen im Feld oder in einem anderen Viertel aussetzen. Tu das bitte nicht. Das geht fast immer schief.

Koloniekatzen hängen an ihrem Revier. Sie wissen, wo es Wasser gibt, wo Schatten und Schutz vor der Sommerhitze der Costa Blanca sind, und sie kennen die Gefahren, denen sie ausweichen müssen. Nimmt man sie da weg und setzt sie an einem fremden Ort aus, sind sie orientierungslos, haben nichts und sind Autos, Hunden und den Katzen ausgeliefert, denen dieses Revier schon gehört. Viele überleben das nicht. Und gelöst ist damit gar nichts. Nimmst du eine Kolonie weg, aber Futter oder Unterschlupf bleiben, ziehen unkastrierte Katzen nach und vermehren sich von vorn. Man nennt das den „Vakuumeffekt“. Die Lösung ist nicht, Katzen zu verschieben, sondern sie zu kastrieren und dort zu lassen, wo sie sind.

Wie du helfen kannst, ohne zu adoptieren

Und jetzt kommt das Schöne. Auch wenn du nicht adoptieren kannst, kannst du eine Menge für die Katzen in deiner Umgebung tun. Das hilft am meisten:

  • Verantwortungsvoll füttern: Futter und sauberes Wasser an einer unauffälligen Stelle, zu festen Zeiten, und die Reste immer mitnehmen. Eine ordentliche Futterstelle stört die Nachbarn weniger, und die Kolonie darf bleiben.
  • Kastrationen bezahlen: Das Teuerste am CER-Verfahren ist der Tierarzt. Eine Spende, auch eine kleine, bezahlt direkt Operationen, die ungewollte Würfe verhindern.
  • Ehrenamtlich mitmachen: beim Einfangen mit Fallen helfen, Katzen zum Tierarzt fahren, eine Kolonie im Auge behalten oder einfach herumerzählen, dass es uns gibt. Hände werden immer gebraucht.
  • Melden statt selbst loslegen: Wenn du eine neue Kolonie oder eine trächtige, unkastrierte Katze entdeckst, sag einem örtlichen Verein Bescheid, statt auf eigene Faust zu handeln. Je früher kastriert wird, desto weniger Kätzchen landen auf der Straße.
  • Pflegestelle für sozialisierbare Kätzchen werden: Die scheuen erwachsenen Katzen bleiben in der Kolonie, aber draußen geborene Kätzchen kann man oft sozialisieren und vermitteln. Dafür brauchen wir Pflegestellen.

Genauso arbeiten wir bei Cat's Club: als Netzwerk, zwischen Freiwilligen und Pflegestellen. Wir haben kein Gebäude voller Käfige, wir haben Menschen. Jede Kolonie, die unter Kontrolle ist, jede bezahlte Kastration und jedes aufgenommene Kätzchen ist gemeinsame Arbeit. Deshalb zählt wirklich jede Hilfe.

Frequently asked questions

Was bedeutet das CER-Verfahren (oder CES) bei Katzen?+

CER steht für captura, esterilización, retorno, also Einfangen, Kastration und Zurückbringen. So nennt es das Gesetz, umgangssprachlich hört man auch CES. Die Katzen einer Kolonie werden eingefangen, eine Tierärztin kastriert und untersucht sie, und dann kommen sie kastriert genau dorthin zurück, wo sie herkamen. Auf Englisch heißt das TNR, und die Ley 7/2023 erkennt es als tierschutzgerechte Methode zur Betreuung von Kolonien an.

Ist es erlaubt, eine Katzenkolonie zu füttern?+

Ja, und die Ley 7/2023 erkennt betreute Katzenkolonien ausdrücklich an. Am besten stimmst du dich mit deinem ayuntamiento (dem Rathaus) oder einem örtlichen Verein ab, damit die Kolonie kastriert und registriert ist. Und füttere immer verantwortungsvoll, also die Reste hinterher wegräumen.

Warum darf man eine Katzenkolonie nicht woanders hinbringen?+

Weil die Katzen an ihr Revier gebunden sind. Ein Umzug macht sie orientierungslos und bringt sie in Gefahr, viele überleben ihn nicht. Und bleiben Futter oder Unterschlupf zurück, ziehen neue Katzen nach und die Kolonie füllt sich wieder auf (der Vakuumeffekt). Richtig ist: kastrieren und dort lassen, wo sie sind.

Was bedeutet die Markierung am Ohr einer Straßenkatze?+

Das ist ein kleiner V-förmiger Schnitt an der Ohrspitze, gemacht, während die Katze für die Kastration in Narkose liegt. So sieht man auf den ersten Blick, dass diese Katze schon operiert ist und betreut wird, und muss sie nicht noch einmal einfangen.

Wie kann ich Straßenkatzen helfen, ohne zu adoptieren?+

Du kannst verantwortungsvoll füttern, für Kastrationen spenden, ehrenamtlich mithelfen, neue Kolonien melden oder Pflegestelle für sozialisierbare Kätzchen werden. Das alles hilft wirklich, ganz ohne eine Katze mit nach Hause zu nehmen.

Wenn dich das anspricht und du bei den Kolonien in Benidorm und der Marina Baixa mit anpacken möchtest, schreib uns. Und wenn Adoptieren nicht geht, du aber willst, dass die Kastrationen weiterlaufen: Eine Spende per Überweisung (ES37 0073 0100 5205 0621 5149), Bizum (+34 659 04 14 71) oder Teaming geht direkt in die nächste Operation. Ohne Pflegestellen und ohne Hilfe gibt es keine Rettungen, so klar ist das.

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